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Das Museum der Musik

Traduzione curata e offerta dagli studenti dell'Istituto Interpreti e Traduttori di Monaco di Baviera nell'ambito delle iniziative di solidarietà post-sisma "Pieve più bella di prima"
Das Museum der Musik

Das musikalische Leben in Pieve di Cento kommt schon seit sehr langer Zeit durch viele Interpreten und auf verschiedene Weisen zum Ausdruck.

Die ersten Aufzeichnungen über Glocken und Glöckner gehen auf das Jahr 1330 zurück. Über Jahrhunderte hinweg haben die Glöckner ihre Techniken bewahrt und übermittelt. Noch heute hören wir von den Glocken gespielte Melodien, die uns an Ereignisse des bürgerlichen und religiösen Lebens erinnern. Einige Glocken gingen verloren oder wurden später ersetzt; doch seit 1890 gibt es 4 Glocken, die zu den melodischsten der Provinz zählen. Seit der Nachkriegszeit sind die Glöckner in einer von dott. Sergio Baraldi gegründeten und ihm gewidmeten Kongregation organisiert. Die nach einem Mitbürger Baraldis benannte Dafni-Carletti-Schule sichert seit einigen Jahren mit zahlreichen jungen Teilnehmern das Überleben der Glockentradition - so kann man gewiss sein, dass auch in Zukunft die altbekannten Melodien zu hören sein werden, mit denen sich die ganze Gemeinde identifiziert.

Die Blaskapelle geht auf das Jahr 1831 zurück und zählt zu den ältesten in Italien. Dank ihrer hervorragenden Mitglieder und ideenreichen Komponisten hat sie eine ausschlaggebende Rolle in der musikalischen Bildung gespielt. Während der Blütezeit der Opernaufführungen mit namhaften Interpreten im kommunalen Theater stellte die Blaskapelle stets eine zuverlässige und gut vorbereitete Orchestergruppe dar. Im Laufe der Jahre übernahm sie die musikalische Begleitung von Ereignissen des bürgerlichen und religiösen Lebens und tat durch ihre Lehrer viel für die Verbreitung einer soliden Musikkultur. Doch die Veränderungen der Lebensweise und des Musikstils führte 1999 zum Aus für die Blaskapelle. Übrig geblieben sind fähige Musiker, die in verschiedenen Musikgruppen auftreten sowie ein umfangreiches und bedeutendes Archiv mit vielen noch unveröffentlichten Musikstücken und Abschriften, die es wert sind erforscht zu werden.

Als eine der angesehensten Handwerksformen und als Ruhm des Gebiets um Pieve hat der Geigenbau seine Ursprünge gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Von dieser Zeit gibt es Aufzeichnungen von Michele Angelo Garani aus Pieve, der später in Bologna einer der besten Geigenbauer der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde. Die Tradition im Bau von Musikinstrumenten geht zurück auf das Ende des 19. Jahrhunderts mit Carlo Carletti und seinem Mitarbeiter Orsolo Gotti. Zusammen mit ihren Söhnen und Verwandten leiteten sie eine schaffensreiche Periode ein - ihre Werkstätten befanden sich in Pieve, Cento, Bologna und Ferrara. Die von ihnen gefertigten Instrumente reisten in den Händen von Musikern, Sammlern und Händlern durch Europa, Russland und die Vereinigten Statten. Der fortschreitende Niedergang der Werkstätten wirkt sich zum Glück nicht auf die enorme Wissenssammlung über diese bedeutende Kunst aus. Seit 1982 wird dieses Wissen in Kursen der „Scuola di Artigianato Artistico del Centopievese“ an zahlreiche Begeisterte vermittelt, um so die tief verwurzelte Tradition zu bewahren.

Im Museum findet auch die Welt der Oper ihren Platz. Das erkennt man an den Zeugnissen des Künstlerlebens der Sopranistin Alice Zeppelli, der das kommunale Theater gewidmet wurde. Gemeinsam mit ihren Mann Giuseppe Alberghini,  dem ersten Cellisten der namhaftesten amerikanischen Orchester, war die hoch talentierte und berühmte Künstlerin mit Gabriele D’Annunzio sowie mit Enrico Caruso und anderen großen Sängern befreundet.
Auf Veranlassung der Erbin Giuseppina Melloni wurde der umfangreiche Nachlass der beiden Künstler im Rahmen einer ihnen gewidmeten Ausstellungsfläche im Obergeschoss des Museums untergebracht.

Seit dem 18. Jahrhundert wird das musikalische Leben in Pieve, der Terra della musica,   durch das Theater geprägt. Aber auch verschiedene Musikgruppen, die das antike Repertoire der traditionellen Folklore pflegen und gängige musikalische Trends interpretieren, Chöre und zahlreiche Schüler, die am Musikunterricht in den Schulen teilnehmen und Meisterkurse besuchen, sowie Freiluft- und Theaterveranstaltungen tragen zum musikalischen Leben bei.

Mit den Musikkapellen begann vor einigen Jahrhunderten die musikalische Ausbildung – und sie dauert bis heute an. Bei der ganzen Leidenschaft und Begabung der Einwohner von Pieve schreibt man den Piaristen eine entscheidende Rolle zu. Denn diese gründeten 1642 genau hier ihre Schule, die für die gesamte Bevölkerung zugänglich war. Musik sollte dort ein Pflichtfach sein, denn die Piaristen sagten:

„Die Musik schönt den Charakter und erzieht zum guten Gemüt“

Der Saiteninstrumentenbau

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kommen international bekannte Meister des Geigenbaus aus Pieve di Cento.
Der Begründer der Schule in Pieve, Carlo Carletti (1873-1941) hatte Kontakt zu den Geigenbauern Armando Monterumici und Raffaele Fiorini aus Bologna. Sie unterstützten ihn in seiner Aktivität und bezogen nach und nach auch die Söhne Natale (1904-1979), Orfeo (1906-1940), Nullo (1911-1978) sowie den Neffen Genuzio (1905-1966) mit ein.
Carlettis Mitarbeiter Orsolo Gotti (1867-1922) weihte später auch den Sohn Anselmo (1902-1962) in das Geigenbauerhandwerk ein. Dieser große Kreis von Geigenbauern war in Pieve, Cento, Bologna und Ferrara tätig. Ihre hochwertigen Streichinstrumente sind bis heute immer noch sehr gefragt.

Zwischen 1908 und 1915 bauten Carlo Carletti und Orsolo Gotti zusammen mit Luigi Mozzani (1869-1943) in dessen Werkstatt in Cento Streichinstrumente. Dort wurden von vielen Lehrlingen auch Zupfinstrumente wie verschiedene Arten von Gitarren, Mandolinen und Mandolen hergestellt.

Zu den Schülern zählte auch Claudio Gamberini (1895-1965) aus Pieve, der seinem Lehrer nach Bologna folgte.
In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die botteghe (typisch kleine Kunstwerkstätten in Italien) immer weniger, und somit blieben nur noch wenig aktive Meister des Geigenbaus zurück.

Seit 1982 liegt das Schicksal des Geigenbaus in den Händen der Scuola di Artigianato Artistico del Centopievese, einer Kunsthandwerkschule, die Kurse für Musikliebhaber einführte. Diese sind bis heute gut besucht. Gabriele Carletti, der Sohn Natales, Benito Tosello und Lorenzo Frignani waren die früheren Meister. Heute ist Marcello Bellei der Meister für den Bau von Geigen, Stefano Frassinetti für den Bau klassischer und akustischer Gitarren sowie Marco Pontillo für den Bau von E-Gitarren.

Das kommunale Theater

Das Theater befindet sich in einem Rathaus – ein ungewöhnlicher Ort für Aufführungen -,  aber das Symbol des musikalischen und kulturellen Lebens schlechthin. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stellte es jungen Ensembles, Berufskünstlern und Amateuren Räumlichkeiten zur Verfügung. Damals war es das teatro della sala.  Es bestand aus einem großen Saal mit einer kleinen Bühne, einer Reihe Logen und Holzstrukturen. In den darauffolgenden Jahren wurden Änderungen am Saal vorgenommen, so dass neben Bällen, Maskenbällen und Komödien auch eine neue musikalische Gattung aufgeführt werden konnte, die gerade zu jener Zeit Geltung erlangte - die Oper.

Das neue kommunale Theater entsteht aus der Umgestaltung des teatro della sala nach den Plänen des Ingenieurs aus Cento Antonio Giordani (1813-1897) und wurde am 25. August 1856 mit der Aufführung Giuseppe Verdis Trovatore eingeweiht. Das Theater hat seine Glanzjahre erlebt dank der Qualität der Aufführungen, es hat an Prestige gewonnen durch die Einladung der größten Namen des Belcanto unter dem enormen Zulauf eines gebildeten und kritischen Publikums.
Der allmähliche Niedergang der Oper zeichnete sich auch im einhergehenden Rückgang der Vorstellungen ab, bis hin zur sporadischen Nutzung des Saals mit Filmvorführungen und politischen Versammlungen im Veranstaltungskalender. Die beiden Weltkriege, die darauf folgende verschlechterte Wirtschaftslage und neue Sicherheitsvorschriften zwangen das Theater zu einer langen Schließung.

1954 eröffnete das Theater wieder auf eine Bürgerinitiative hin, welche den Namen „Circolo del Voltone“ trug. Auf eigene Kosten und in Übereinstimmung mit der Gemeinde behob die Bürgerinitiative den Schaden, den deutschen Truppen im zweiten Weltkrieg angerichtet hatten. Nach ungefähr zehn Jahren musste das Theater wegen unzureichender Sicherheitssysteme endgültig geschlossen werden. Nach 40 Jahren des Wartens fand die Wiedereröffnung des Theaters im Jahr 2003 statt. Es wurde komplett restauriert und hat auch seinen ansehnlichen Theatervorhang von Adeodato Malatesta wieder erhalten, welcher  die Szene „Äsop spricht zu den Hirten“ darstellt. Außerdem wurde das Theater mit erlesener Originaleinrichtung ausgestattet.

Die Sammlung Luigi Mozzani

Die Sammlung besteht aus Instrumenten, die Luigi Mozzani in den zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gebaut hatte und die von der Stiftung der Sparkasse in Cento einem Sammler aus Rovereto (Provinz Trento) abgekauft worden waren. Das ist die Stadt, wo der Geigenbauer zuletzt tätig war und wo er 1943 starb.

Luigi Mozzani wurde 1869 in Faenza geboren und war Konzertsolist, Gitarrenlehrer, Komponist, forschender und experimentierender Geigenbauer. Er eröffnete 1907  in Cento seine Werkstatt, wo er mit modernen Methoden Instrumente in großer Zahl herstellte, die von hervorragender Bauweise und guter Qualität waren.

In Zusammenarbeit mit anderen Geigenbauern von Pieve und mit vielen Lehrlingen, die später ebenfalls professionelle Geigenbauer wurden, fertigte er eine breite Palette von Streichinstrumenten und verschiedene Modelle von Zupfinstrumenten an, die sowohl in Italien als auch im Ausland von Musikern und Sammlern sehr geschätzt wurden. Mario Maccaferri (1900-1993), einer seiner Schüler aus Pieve di Cento, hatte viel Erfolg in Frankreich mit  den von ihm kreierten Gitarren. Später wurde er auch in den Vereinigten Staaten erfolgreich, wo er sein Handwerk jungen, heute sehr berühmten Geigenbauern wie John Monteleone lehrte. Dort experimentierte er bei der Herstellung zahlreicher Instrumente auch mit Kunststoff.

Nach ungefähr zwanzig Jahren verlagerte Mozzani seine Tätigkeit nach Bologna und 1940 nach Rovereto.
Die hier ausgestellte Sammlung ist eine der wichtigsten ihrer Art, was die Anzahl und Vielfalt der Exponate betrifft, und sie ergänzt eine ebenfalls bedeutsame Sammlung, welche die Stiftung der Sparkasse in Cento dem kommunalen Theater übergeben hat.

Alice Zeppilli und Giuseppe Alberghini

Die Sopranistin Alice Zeppilli und der Cellist Giuseppe Alberghini waren außergewöhnliche Musikerpersönlichkeiten. Ihr künstlerisches Schaffen präsentierten sie auf den angesehensten Bühnen in der ganzen Welt, insbesondere in den USA, wo sie lange Zeit lebten.

Ihre Karriere war von Erfolgen gekrönt und durch Freundschaften mit großen Musikern wie Enrico Caruso und Titta Ruffo, sowie mit Schriftstellern wie Gabriele D'Annunzio geprägt.

Alice Zeppilli, deren Vorfahren aus den Marken stammten, wurde 1885 in Menton geboren. Sie lebte mit ihrer Familie in Monte Carlo, wo sie eine französische Privatschule besuchte. Im Alter von gerade einmal 17 Jahren debütierte sie am Theater La Fenice in Venedig. Es folgten Auftritte in Paris, Bukarest, in Monte Carlo zusammen mit dem Tenor Caruso, in Buenos Aires, Athen, Mexico und schließlich in New York. Sie hat in den bedeutendsten Städten der USA gesungen und auf Tourneen in der ganzen Welt. 1913 heiratete sie Giuseppe Alberghini in der New Yorker St. Patrick's Cathedral. Giuseppe Alberghini, 1879 in Pieve di Cento geboren, war damals erster Cellist des Philadelphia Orchestra, des Chicago Symphony Orchestra sowie beim Metropolitan Opera Orchestra in New York. 1915 kehrten die Eheleute nach Italien zurück, da Alberghini zum Militär einberufen wurde. In dieser Zeit lernte er Gabriele D'Annunzio kennen. Die innige Freundschaft der beiden ist durch herzliche Briefe belegt. In den Kriegsjahren hatte Alice Zeppilli die Möglichkeit auf europäischen Bühnen aufzutreten, bis sie schließlich nach Kriegsende mit ihrem Mann in die USA zurückkehrte. Alice beherrschte ein umfangreiches Repertoire und brillierte in vielen Hauptrollen. Hierfür erhielt sie hervorragende Kritiken seitens der Presse und der  damaligen Kritiker. Ihr Repertoire des leichten lyrischen Soprans für Rollen wie die der Susanna, Musetta, Margarete von Valois und Ophelia erweiterte sie später durch eine Änderung ihres Timbres für die Rollen wie die der der Violetta, Madame Butterfly, Fedora und Tosca. Sie trat bis 1926 auf und widmete sich danach fast ausschließlich dem Unterrichten.

Alberghini setzte seine brillante Karriere bis kurz vor seinem plötzlichen Tod im Jahr 1954 in New York fort. Einige Jahre später ließ sich Alice Zeppilli schließlich dauerhaft in einer Villa in Pieve di Cento nieder, die 1920 erbaut worden war. Ihr Bruder Pierre zog später mit ein. 1969 starb Alice Zeppilli in Pieve di Cento.

Giuseppina Melloni, die Erbin der Sängerin, überließ der Gemeinde  Pieve di Cento in großzügiger Weise umfangreiches und bedeutendes Material, das Zeugnis ablegt über das künstlerische Leben der Sängerin und ihres Ehemannes. Nach der Restaurierung und Wiedereröffnung im Jahr 2003, entschied sich die Gemeindeverwaltung, das kommunale Theater Alice Zeppilli zu widmen.
Zu den Ausstellungsgegenständen zählen ein amerikanischer Benedict-Flügel, mehrere Porträts, Fotografien, Fotos mit Widmungen von berühmten Kollegen und Freunden wie von Caruso und der Maria Callas, Briefe und Postkarten, Zeitungsausschnitte und zeitgenössische Zeitschriften Schallplatten, Bühnenkostüme und -requisiten, sowie der wunderschöne Reisekoffer, der Alice auf ihren langen Tourneen begleitete.

Istituto Interpreti e Traduttori di Monaco di Baviera

Die Übersetzung wurde von den Studierenden des Sprachbereichs Italienisch im zweiten Studienjahr der Fachakademie des Sprachen & Dolmetscher Instituts München angefertigt.

Sara Benedetti-Baumans, Ylenia Forti, Rovena Giacinti, Sibylle Grieshober, Olivia Kapfer, Raffaela Röckl, Verena Schrofner, Cynthia Stroh, Arianna von Caprivi